Verkörperte Kognition

Verkörperte Kognition

Embodied Cognition (EC)

Die Idee der verkörperten Kognition (vgl. Lakoff, 1987) hat ihren Ursprung im dynamischen Ansatz in der Kognitionswissenschaft, die davon ausgeht, dass sich kognitive Prozesse im Verlauf der Zeit von permanenter Veränderung der Umgebung und des Körpers einschließlich des Nervensystems entfalten (vgl. van Gelder, 1998; Port/van Gelder, 1995). Wie schon Piaget (1954) erkannte, geht sie davon aus, dass mentale Strukturen aus sensomotorischer Aktivität hervorgehen:

“To say that cognition is embodied means that it arises from bodily interactions with the world. From this point of view, cognition depends on the kinds of experiences that come from having a body with particular perceptual and motor capacities that are inseparably linked and that together form the matrix within which memory, emotion, language, and all other aspects of life are meshed” (Thelen et al., 2001. S.  1).

Dynamical System’s Theorie (DST)

Drei relevante Aspekte von dynamischen Systemen sind Selbstorganisation, Attraktoren und Phasenübergänge. Selbstorganisation bedeutet, dass die einzelnen Komponenten eines Systems miteinander interagieren und daraus auf einer höheren, makroskpischen Ebene eine Ordnung entsteht, die mehr ist als die Summe der interagierenden Komponenten, wobei  Mikro- und Makroebene miteinander interagieren. Durch diese zirkuläre Interaktion können stabile Systemzustände entstehen, die Attraktoren genannt werden. Lebende Systeme sind durch viele koexistierende Attraktoren gekennzeichnet. Selbstorganisierende Systeme ordnen sich also ‚spontan’ selber, wobei Geordnetheit auf eine begrenzte Anzahl stabiler Zustände beschränkt ist. Sie durchlaufen daher zwischen den geordneten Zuständen Phasen von Instabilitäten, wodurch sie eher sprunghaft zu neuen Ordnungsmustern übergehen. Diese sprunghaften Übergänge werden als Phasenübergänge bezeichnet (vgl. Lewis, 2000). Ein einfaches Beispiel  für Phasenübergänge in Bewegungsabläufen ist der Wechsel der Gangarten bei Pferden.

Referenzen

  • Gelder van, T. J. (1998): The dynamical hypothesis in cognitive science. Behavior and Brain Sciences 21, 1-14.
  • Lakoff, G. (1987): Women, fire, and dangerous things: What categories reveal about the mind. Chicago: University of Chicago Press.
  • Lewis, M. D. (2000): Emotional self-organization at three time scales. In: Lewis MD, Granic I (eds) Emotion, development, and self-organization. Cambrindge Universtiy Press, Cambridge, 37-69.
  • Piaget, J. (1954): The construction of reality in the child. New York: International Universities Press. Basic.
  • Port, R../van Gelder, T. J. (1995): Mind as Motion: Exploration in the Dynmamics of Cognition. Cambridge, MA: MIT Press.
  • Thelen, E./Schoner, G./Scheier, C./Smith, L.B. (2001): The Dynamics of Embodiment: A Field Theory of Infant Perservative Reaching. Behavioral and Brain Sciences, 24, 1-86.