Internationale Forschung

Internationale Forschung

 Epigenetik, Medizin, Psychologie und angrenzende Disziplinen zum Thema Schwangerschaft und Geburt

Im folgenden ist der internationale Forschungsstand bezüglich epigenetischer, medizinischer, psychologischer und angrenzender Disziplinen inhaltlich gegliedert dargestellt. Das Anliegen ist, die Reichweite des internationalen Forschungsstandes exemplarisch für die gewählten Bereiche ohne Anspruch an Vollständigkeit zu illustrieren. Sie gründen sich hauptsächlich auf aktuelle Reviews und können auch einzeln mit je eigenem Literaturverzeichnis als Nachlesemöglichkeit dienen.

Reversible epigenetische Prozesse

Epigenetik umschreibt die Metaebene genetischer Regulation, d.h. wann und in welchem Ausmaß welche Gene ein- und ausgeschaltet werden und liefert einen Mechanismus, durch welchen sich ein Organismus an seine Umgebung anpassen kann. Epigenetische Mechanismen, wie z.B. DNA-Methylierung, sind reversibel und werden als molekulare Korrelate für die Weitergabe und Auswirkung präkonzeptioneller und konzeptioneller sowie prä-, peri- und postnataler unbewusster Erfahrungen angenommen. So belegt aktuelle Forschung die transgenerationale Weitergabe von Erlebnissen der Eltern über epigenetische Vorgänge an ihre Kinder sowie die Auswirkungen von Konzeption, pränatalen Erlebnissen, Geburtsmodus und Erlebnissen in den ersten postnatalen Wochen auf das kindliche Epigenom.

Weiterlesen: Was ist Epigenetik? Exemplarische epigenetische Studien rund um Konzeption und Geburt


Medizin

Eine Fülle epidemiologischer und klinischer Untersuchungen belegen in Korrelationsstudien die Auswirkungen von Konzeptionsmodus, intrauterinen Bedingungen, mütterlichem Befinden während der Schwangerschaft, Geburtsmodus, Geschehnissen während der ersten Stunden nach der Geburt und dem Stillen auf die Gesundheit des Kindes.

Weiterlesen: medizinische Auswirkungen rund um Konzeption und Geburt 


Geburtstraumatisierungen

Die Prävalenz von Symptomen von Geburtstraumatisierungen von Müttern nach der Geburt liegt bei 30% bis 50%. Als Ursachen hierfür werden Prädispositionen, die präpartalen Umstände, die Geburtsumstände wie extreme Schmerzen und medizinische Interventionen sowie subjektive Faktoren während der Geburt genannt. Auswirkungen von traumatischen Geburtserlebnissen reichen von persistierenden überwältigenden Gefühlen wie Hilflosigkeit, Angst und Wut bis zur Vermeidung weiterer Schwangerschaften und Beeinträchtigung der Kindesfürsorge. Neben den Auswirkungen einer traumatisierten Mutter auf das Kind und die kindlichen Bindungserfahrungen sowie der potentiellen Traumatisierung des geburtshilflichen Personals, ist seit vielen Jahren die Traumatisierung des Babys erkannt: Eine Fülle an Babytherapien befasst sich mit der Aufarbeitung der Geburtserfahrung für das Baby und zeigt Präventionsmöglichkeiten auf.

Bezüge und Referenzen


Eltern-Kind-Bindung

Die Bedeutung der frühen Eltern-Kind-Bindung für das gesamte zukünftige Leben ist weitgehend rezipiert. Zunehmend ist die pränatale Bindung als Vorläufer der postnatalen Bindung erkannt und beforscht und erste Möglichkeiten der Unterstützung der pränatalen Eltern-Kind-Bindung sind auf dem Weg. Die Bindungsentwicklung beginnt bei den Bindungserlebnissen der Eltern, welche die kindliche Bindungsentwicklung sowohl präkonzeptionell über Keimbahn-vermittelte epigenetische Prozesse als auch prä-, peri- und postnatal auf verschiedenen Ebenen beeinflussen. Neben den physiologischen Faktoren wie die Funktionsweise des autonomen Nervensystems, der Stressachse (HHN) und der Oxytocin-, Cortisol-, Serotonin- und Dopaminsysteme gehen neuro- und zellbiologische, psychologische und epigenetische Betrachtungsweisen davon aus, dass pränatale Erfahrungen, insbesondere Konzeptions-, Einnistungs- und Geburtserlebnis durch unbewusste Informationsspeicherung wie epigenetische Prägungen bzw. frühe neuronale Vernetzungen in der Bindungsentwicklung wirken. Bewegungsanalytische Studien zeigen den Einfluss des Geburtserlebnisses auf den kindlichen Bindungsstil und das Explorationsverhalten.

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Ultraschall

Positive Effekte von Ultraschalluntersuchungen auf die pränatale Mutter-Kind-Bindung, insbesondere vor den ersten Kindsbewegungen, sind von mehreren Studien belegt worden und sind größtenteils rezipiert. Qualitative Untersuchungen zeigten, dass die positiven Aspekte sich hauptsächlich auf das positive Feedback des Fachpersonals gründeten und die Scans an sich die Schwangeren eher verunsicherten. Dies zeigt das Bedürfnis von werdenden Eltern nach äußerer Versichung bzw. einem Bindungsbedürfnis zu einer als kompetent angesehenden Fachperson. Hier liegt eine Chance, die Ultraschalluntersuchungen dafür zu nutzen, Schwangere in ihrer inneren Gefühlsverbindung zu unterstützen, so dass sie sich selber als “kompetente Fachkraft Mutter für dieses Kind” erkennt und sich selbst und ihrem Kind innere Lebenssicherheit schenkt.

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Situation von Schwangeren in Deutschland

Die Mutterschaftsrichtlinien (MSR) enthalten für gesunde Schwangere über 100 Tests und in Deutschland werden mehr Ultraschalluntersuchungen (US) durchgeführt als allen anderen europäischen Ländern. 99% der Schwangeren nahmen Vorsorgeuntersuchungen außerhalb der MSR in Anspruch und 80% nahmen zusätzlich sogenannte individuelle selbst zu bezahlende Gesundheitsleistungen (IGeL) wahr. Unsicherheiten und Ängste von Schwangeren zeigen sich an allen Ecken und Enden und da sich diese Gefühle eins zu eins auf das Kind übertragen ist hier eine große Chance für die innere Sicherheit von Kindern zu sorgen, indem für die innere Sicherheit und Vertrauen in die Gefühlsverbindung zum Kind und die eigene Gebärfähigkeit der Eltern gesort wird.

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Betreuungsmodelle

Die Bedeutsamkeit der Kontinuität durch eine vertraute Begleitperson als auch die Vereinbarkeit derselben mit medizinischer Versorgung ist das Fazit meiner Recherchen: Die kontinuierliche Betreuung durch eine bekannte Vertrauensperson führt weniger häufig zu Fetalverlust, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Geburtseinleitung, instrumentaler Geburtsbeendigung, Episiotomie, Regionalanästhesie und postpartaler PTBS und häufiger zu spontaner vaginaler Geburt, einem subjektiven Gefühl der Kontrolle während der Wehen und Zufriedenheit mit der Geburtserfahrung. Der Vergleich der Hebammenbetreuung über Teams zu fallbezogener Betreuung zeigte für die fallbezogene Betreuung signifikant weniger Fetaltod und signifikant höhere Apgar-Werte.

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Bedarf

Es werden Personalschulungen bezüglich der Prävention von Geburtstraumatisierungen vor bzw. während der Geburt empfohlen und dem Bedarf von traumatisierten Eltern und Kindern nach der Geburt. Präpartal z.B. die Erkennung gefährdeter Frauen und entsprechende Vorbereitung auf die Geburt. Während der Geburt z.B. die Unterstützung des Umgangs mit Wehenschmerzen und die Ermächtigung der Gebärfähigkeit sowie der Bewusstheit der Bedeutung von Geburtserfahrungen als Langzeiterinnerungen. Postpartal werden z.B. Nachbesprechungen der Geburtserfahrung mit dem geburtshilflichen Personal empfohlen. Insgesamt ist eine eins zu eins Betreuung während der Geburt durch eine mitfühlende bekannte Vertrauensperson und viel Zeit wohl der Schlüssel für eine glückliche Geburt.

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