Betreuungsmodelle

Betreuungsmodelle

Geburtshilfliche Betreuung im internationalen Vergleich

Eine Studie des BMBF berichtet, dass in Deutschland ca. 98% der Kinder in einem Krankenhaus geboren werden. Dabei erleben nur ca. 8% der gesunden Schwangeren eine Geburt ohne medizinisches Eingreifen, obwohl sich viele Frauen eine natürliche Geburt wünschen. Der Vergleich von ärztlich- und hebammengeleitetem  Kreißsaal zeigt, dass im Hebammenkreißsaal die Rate der interventionsfreien Geburten 2,5 Mal höher ist, die Mütter nach der Geburt häufiger ausschließlich stillen, das physische und psychische Wohlbefinden acht Wochen nach der Geburt besser ist und das subjektive Geburtserleben positiver bewertet wird als im üblichen Kreißsaal. Als Besonderheiten des Hebammenkreißsaals, die möglicherweise zu den positiveren Ergebnissen führen, wird die Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses durch die kontinuierliche Betreuung der Hebammen von Schwangerschaft über Geburt und Wochenbett genannt, die 1:1 Betreuung während der Geburt und der Fokus der Betreuung auf einen natürlichen Geburtsverlauf.1

Internationalen Studien zufolge, kommt es durch kontinuierliche Betreuung durch Hebammen im Vergleich zu ärztlicher oder gemeinsamer Betreuung signifikant weniger häufig zu Fetalverlust (21%), Frühgeburt (16%), Kaiserschnitt, Geburtseinleitung, instrumentaler Geburtsbeendigung (14%), Episiotomie (18%), Regionalanästhesie (19%) und postpartaler PTBS und signifikant häufiger zu spontaner vaginaler Geburt, einem subjektiven Gefühl der Kontrolle während der Wehen, Zufriedenheit mit der Geburtserfahrung, Stillbeginn und 8 Mal häufiger zu der Begleitung durch eine bekannte Hebamme. Der Grad der Kontinuität, gemessen am Prozentsatz der Frauen, die durch eine bekannte Betreuungsperson betreut wurden, lag zwischen 63 – 98% in Hebammengeleiteten und zwischen 0,3 – 21% in anderen Betreuungsmodellen. Der Vergleich der Hebammenbetreuung über Teams zu fallbezogener Betreuung zeigte für die fallbezogene Betreuung signifikant weniger Fetaltod und signifikant höhere Apgar-Werte.2,3,4

Einer Studie in Neuseeland zufolge, wo die Kontinuität gesetzlich verankert ist und Frauen zwischen Hebamme, Allgemeinmediziner/in oder Gynäkologe/in wählen können, wählen 75% der Frauen eine Hebamme als Betreuungsperson. In 35% dieser Fälle haben die Hebammen die Frauen zu einer gynäkologischen Konsultation überwiesen und in 43% dieser Überweisungen erfolgte eine Übertragung der klinischen Verantwortung an die Gynäkologie. Von diesen Übertragungen wiederum, entschieden sich die Frauen zu 74% zu einer Weiterführung der Begleitung durch die Hebamme, sodass im Endeffekt nur 3,5% der anfänglichen 75%, welche Hebammenbegleitung wählten, diese nicht zu Ende führten. Dies zeigt beispielhaft, wie bedeutsam die Kontinuität durch eine Vertrauensperson ist, als auch die Vereinbarkeit von vertrauter Kontinuität und medizinischer Versorgung.5

Referenzen

  1. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011).  Natürliche Geburt in der Klinik – ganz ohne Arzt – Hebammenkreißsäle machen es möglich. Newsletter Nr. 52 Juli 2011.
  2. Sandall, J., Devane, D., Soltani, H., Hatem, M., & Gates, S. (2010). Improving Quality and Safety in Maternity Care: The Contribution of Midwife‐Led Care. Journal of midwifery & women’s health55(3), 255-261.
  3. Turienzo, C. F., Sandall, J., & Peacock, J. L. (2016). Models of antenatal care to reduce and prevent preterm birth: a systematic review and meta-analysis. BMJ open6(1), e009044.
  4. Vesel, J., & Nickasch, B. (2016). An Evidence Review and Model for Prevention and Treat-ment of Postpartum Posttraumatic Stress Disorder.Nursing for women’s health,19(6),504-525.
  5. Skinner, J. P., & Foureur, M. (2010). Consultation, referral, and collaboration between midwives and obstetricians: lessons from New Zealand. Journal of Midwifery & Women’s Health55(1), 28-37.